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Interview mit Kabarettist Mathias Richling

Mathias Richlings Parodien ereilen jeden. Seine bissige Satire sprintet mit ungeheurer Präzision, Schauspieltalent und Sprachwitz über die Bühne. Mit gewohntem Tempo und Umtriebigkeit startet Mathias Richling stetig Attacken aufs gesamtdeutsche Zwerchfell. Lachsalven und donnernder Applaus im ausverkauften Veranstaltungszentrum KuKo in Rosenheim waren dem Scheibenwischer erprobten Ausnahme-Kabarettisten sicher. Erfahren Sie mehr im folgenden Interview, das im rasanten Tempo vor dem abendfüllenden Auftritt stattfand.

Redaktion: Ihr aktuelles Soloprogramm behauptet „E=m•Richling2“. Wie darf ich diese Formel als Nicht-Physikerin verstehen?

Richling: (lacht) Sie werden doch wohl sicher die Originalformel kennen.

Redaktion: Klar doch, demnach setzen Sie sich mit der Lichtgeschwindigkeit gleich.

Richling: Na ja, wir wollen es nicht übertreiben. Es handelt sich einfach um eine Assoziation – eine Erklärung der politischen Relativität, vielmehr die meiner eigenen. In diesem Fall ist es eine Hommage an die Einsteinsche Relativitätstheorie, als Muster genommen, um die politische Relativität zu erklären.

Redaktion: Also quasi die Weltformel der deutschen Politik.

Richling: Ja! Genau.

Redaktion: Gibt es irgendwelche Risiken und Nebenwirkungen für die Zuschauer?

Richling: Keine. Es besteht hingegen die Möglichkeit, Einstein endlich zu verstehen. Ich selbst habe erst im Schreiben dieser Nummer zum ersten mal nach 30 Jahren diese Formel verstanden. Sonst hätte ich das Programm gar nicht schreiben können.

Redaktion: Welche Themen knüpfen Sie sich vor?

Richling: Die politische Realität wird in einen größeren Zusammenhang gestellt. So kommt es beispielsweise zu einem traumatischen Gespräch zwischen Angela Merkel und Sigmund Freud. Da geht es um die Sexualität der Macht, um die Frau in der Macht. Insofern erweitere ich das Programm immer wieder und gehe über die Tagesaktualität hinaus.

Redaktion: Auf welche Parodien können die Zuschauer sich freuen?

Richling: Natürlich Ulla Schmidt mit ihrer Gesundheitsreform, Kurt Beck mit der Erklärung seines Parteiprogramms, auch Herr Putin wird zu Wort kommen. Peer Steinbrück erklärt die Finanzformel und Michael Glos beantwortet alle möglichen Fragen aus dem Wirtschaftsministerium. Im Grunde alles quer Beet, was gerade so anfällt.

Redaktion: Sie sind schon in unzählige Rollen geschlüpft. Gibt es eine Lieblingsparodie?

Richling: Das wechselt immer. Im Moment sind es sicher Horst Köhler und Gesine Schwan. Die ja beide – bei Herrn Köhler ist es weder das Äußere noch das Innere – nicht besonders signifikant sind. Solche Parodien muss man sich lange erarbeiten. Auch bei Frau Schwan ist bis auf die Frisur nichts besonders Typisches in ihrer Stimme oder im sonstigen Auftreten. Trotzdem ist sie schnell erkennbar, das so herauszuarbeiten macht mehr Spaß als beispielsweise bei Herrn Stoiber. Da kommt man auch ganz ohne Text aus, da reicht schön ein „äh“. Dann weiß schon jeder, wer gemeint ist.

Redaktion: Sämtliche Texte Ihrer Programme schreiben Sie selbst. Wie man hört, vor allem nachts. Bringt Sie Deutschland um den Schlaf?

Richling: Ja.

Redaktion: Sie scheinen nicht wirklich darunter zu leiden, oder?

Richling: Mein Biorhythmus hat sich irgendwie drauf eingestellt. (lacht)

Redaktion: Welche Chancen geben Sie dem politischen Kabarett in Zeiten wachsender Politikverdrossenheit?

Richling: Also, ich glaube die Politikverdrossenheit von heute gab es schon vor 20 Jahren. Zu Zeiten Kohls waren die Leute auch schon äußerst genervt. Kurzum, das politische Kabarett war noch nie so tot, wie an jedem Tag in den letzten 100 Jahren.

Redaktion: Wie geht es weiter beim Scheibenwischer?

Richling: Wie Sie wissen, macht Bruno Jonas Ende des Jahres eine Pause. Ich hoffe, es wird nur eine Pause. Ich weiß es nicht genau, dazu kann nur Bruno etwas sagen. Also werde ich seine Arbeit mitstemmen und gemeinsam mit der Redaktion versuchen, die Sendung in seinem Sinne und mit Gästen weiterzuführen. Derzeit sind wir bereits am konzipieren und zusammenstellen. Ich bedaure Brunos Entscheidung sehr, das muss ich schon sagen. Er will halt mal etwas anderes machen. Aber schade, wir hatten uns so gut eingespielt.

Redaktion: Also rückt künftig kein Ersatz nach?

Richling: Nein, aus Respekt gegenüber Bruno Jonas nicht. Auch ein Nachfolger müsste sich ja immer mit ihm vergleichen lassen, das wäre unfair. Von meiner Seite aus gibt es keinen Ersatz für Bruno, also muss man sich eine neue Konzeption für 2009 einfallen lassen.

Redaktion: Apropos was anderes machen. Sie sind auch als Fotokünstler aktiv.

Richling: Richtig, ich habe gerade Ausstellungen in Zürich und Berlin. Leider habe ich nicht viel Zeit dafür.

Redaktion: Was fotografieren Sie vor allem?

Richling: Eigentlich ähnelt das meiner Arbeit auf der Bühne. Bei der Fotografie sind es vielleicht ästhetisch etwas ausgefeiltere Karikaturen von menschlichen Körpern. Diese sind sehr abstrahiert, man erkennt sie gar nicht mehr. Es ist wie eine Stilisierung. Die Loslösung von der Körperlichkeit, das ist das Thema meiner Fotoserien.

Redaktion: Herr Richling, herzlichen Dank für das Interview.