Suche
  • Herzlich Willkommen im
  • office[at]bettinalaustroer.de
Suche Menü

Einmal Abheben und Adeln bitte

Fachartikel und Reportagen aus dem Text- und Redaktionsbüro Wuppertal beruhen auf Recheche und Schreibtalent.

Abenteuer inklusive Weitblick: „Alpin Ballooning“ in Tirol

Irgendwie beruhigend, dass der Feuerwehrmann gleich mit an Bord, genauer im Korb ist. Denn wenn der Oerlinghausener Ballonpilot Frank Holthöfer den Propangasbrenner anschmeißt, geht es ganz schnell aufwärts – exakt zweieinhalb Meter pro Sekunde. Der Blick nach unten lässt den Startplatz, wo man eben noch staunend stand, im Nu zur Miniaturlandschaft schrumpfen. Oben angekommen, ist jeder Anflug von Höhenangst wie weggeblasen. Es ist fantastisch. Mit dem Wind schwebend fühlt man sich im Weidenkorb einfach sicher. So geht es vielen. Feuerwehrmann Dirk und Ballonverfolger Hendrik sind routinierte Passagiere. Seit Jahren dabei. Kein Wunder, denn Ballonfahrten machen süchtig. Das wird schon nach wenigen Minuten klar. In rund Tausend Metern Höhe schwebt der Heißluftballon übers schneebepuderte Tal. Aus der Vogelperspektive wirkt der Walchsee und seine umliegenden Ortschaften perfekt, einfach postkartentauglich. Es eröffnet sich ein seltener Blick über Skipisten, Langlaufloipen und Wanderwege. Das bevorzugte Ausflugsziel der Münchener liegt verkehrsgünstig nah an der Inntalautobahn direkt hinter der deutsch-österreichischen Grenze.

Pünktlich zum „Alpin Ballooning“, der traditionellen Ballonfahrerwoche im Kaiserwinkl, hat es am Vortag noch mal geschneit. Eine perfekte Kulisse zum Abheben: Mit Blick aufs Kaisergebirge schweben am Eröffnungstag 15 Heißluftballons zur benachbarten Ortschaft Kössen und bieten Mitfahrgelegenheiten für schwindelfreie Touristen. Die Motivation der Piloten ist eine gesunde Mischung aus Fahrfreude und Sportsgeist. Schließlich gilt es, den Remax-Pokal zu gewinnen. Ballonfahrer-Teams aus sechs Nationen nehmen am Wettbewerb teil. Bereits das erste Ziel hat es in sich und liegt bei Nord-West-Strömung nicht unbedingt auf dem Weg. Zumindest nicht auf unserem. „Dann lassen wir das Markern eben.“ entspannt entscheidet sich Pilot Frank gegen die Teilnahme an der Tageswertung. Egal, unter dem Eindruck der vorbeiziehenden Berggipfel ist jeglicher Ergeiz verflogen.

Wirklich steuern lässt sich so ein Heißluftballon eh nicht. Man vertraut sich den Winden an und verspürt Geborgenheit. Klingt kitschig, ist es aber nicht. Im Grunde steckt eine Menge Hightech dahinter. Die 3.700 Kubikmeter Heißluft fassende Ballonhülle mit ihren über 900 Kilo tragenden Stahlseilen und nicht zu vergessen das GPS-Navigationssystem, mit welchem der Pilot Windrichtung und -geschwindigkeit misst. Der Trick beim Navigieren: Die einzelnen Luftschichten haben unterschiedliche Strömungen. Diese geschickt auszunutzen ist die hohe Kunst des Ballonfahrers. Unser Pilot ist Profi, als Inhaber eines Luftfahrtunternehmens in Oerlinghausen hat er seit Jahren Passagiere dabei. Alpenquerungen gehören dazu. Die schnellste Fahrt führte ihn in dreieinhalb Stunden von der Zugspitze an den Gardasee, kein Problem bei entsprechend starken Nord-West-Winden in rund 5.000 Metern Höhe. Heute geht es nicht ganz soweit hinauf. „Wir wollen ja nicht, dass uns der stürmische Oberwind zerbaselt“ scherzt er. Nach der Landung – übrigens so sanft wie man es im Flugzeug wohl nie erleben dürfte – herrscht örtlich Verwunderung. Im Kaiserwinkl ist man Ballons gewohnt, doch direkt im Vorgarten ist bislang noch keiner gelandet.

Als krönender Abschluss die Ballonfahrertaufe: Mit Feuer, Schnee und würdigen Worten geht es ab in den Adelsstand der Aeronauten (übrigens eine Hommage an die Gebrüder Montgolfier, die als Begründer der Ballonluftfahrt 1783 geadelt wurden). Anschließend warten noch schwerwiegende Herausforderungen: Zum einen den fast 400 Kilo schweren Korb in den Anhänger zu wuchten und danach auch noch bandwurmartige Namen auswendig zu lernen. Sollte der eigene Adelstitel nicht binnen 24 Stunden sitzen, muss man künftig in Ballonfahrerkreisen eine Runde ausgeben. Aber auch das, pures Vergnügen.

INFO

Die Ballonfahrerwoche „Alpin Ballooning“ findet jährlich im Tiroler Kaiserwinkl statt. Darüber hinaus werden in Kössen und Umgebung das ganze Jahr über Ballonmitfahrgelegenheiten vermittelt, Anmeldungen unter Telefon 0043/(0)664/5050571.